Fischer- und Schifferverein Klingenberg

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Schiffsgeflüster


Ein jedes Schiff, das dampft und segelt
hat eine Seele, und die regelt
die innere Zufriedenheit.
Grad wie beim Mensch’ die Traumarbeit.

Nächtens kann man es vernehmen
wo es fährt, auf Strom und See,
erzählen Planken, Spanten, Wanten
von des Schiffes Leid und Weh.

Ach, vernehmt nur seine Klagen,
die Verbände hört man gerzen,
ganz eindringlich will es sagen:
Auch ein Schiff erleidet Schmerzen.

Was da auf das Schiff eintrommelt
böser Wind und harte Wellen,
und von innerem Gerumpel
in dem Rumpf, will es erzählen.

Das Vibrieren der Motoren
Schwingungen und deren Schwebung.
der Propeller Rumrumoren
spürt das Schiff - und zittert drum.

Resonanz der Wassertiefen
und der Ruderlage Druck,
Wellen auch von andern Schiffen
und der Schleusenmauer Ruck.

Leere Bunker, Regenklatschen
Eis, das an der Bordwand drängelt.
Und besonders kritisch wird es,
wenn da Kies vom Flussgrund dengelt.

Eine Oper kann man hören
Stöhnen, Ächzen, Jammern, Knurren
will da unsere Ruhe stören
mit Schaben, Kratzen, Wimmern, Gurren.

Alles tönt in dem Konzert,
Spielt nach seiner Partitur.
Wie das Fenster - leicht geöffnet -
klappert es bei Westwind nur.

Kommt der Einsatz einer Schranktür
zwitschernd und impertinent,
kann man das vielleicht beenden,
wenn man was dazwischen klemmt.

Klingeln Gläser, scharren Möbel,
dröhnt des Ventilators Bass,
und sogar der Lattenrost der Koje
ja, auch der erzählt uns was.

Und gar manchmal möcht’ man glauben,
dass das Schiff auf Antwort wartet.
Doch für solche Tonfrequenzen
ist der Mensch nicht recht geartet.

Will man da mit Leibeswinden
zu der rechten Antwort kommen,
gar mit schiffsgerechtem Brummen;
Doch - es wird gar nicht vernommen.

Da - ein rhythmisch’ Knarren, Stöhnen
ein Signal von wildem Streben
aus der Nachbarkammer Koje:
Macht da einer neues Leben?

Doch das Leben lehrt dann wieder,
dass nicht ist, was nicht sein kann.
Wohnt doch in der Nachbarkammer
- ohne Weib - ein alter Mann.

Aber nun hat doch derselbe
auch gehört das rhythmisch’ Knarren.
Denkt der jetzt…? Wir lassen ihn
in dem Glauben mal verharren.

Und das ganze Schiffsgeflüster
hört man plötzlich gar nicht mehr,
weil das Weib dort in der Koje
schnarcht gar fürchterlich und schwer.


2011 Klaus Schmitt

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