Bischofsweisheit  (von Klaus Schmitt)

Der   

Fischer-   

und   

Schifferverein   

Klingenberg   

gründet   

sich   

auf   

eine   

alte   

Zunft,   

die   

1737   

vom

damaligen    

Landesherren,    

dem    

Erzbischof    

von    

Mainz,    

eine    

neue    

Ordnung    

durch    

eine

Verleihungsurkunde erhielt.

Neben den Regularien für den Gewerbebetrieb, zur internen Zunftordnung und der Amtsaufsicht

sorgte der Erzbischof auch für das Seelenheil der streitlustigen Zunftbrüder:

Da   

offenbar   

damals   

schon   

bekannt   

war,   

wie   

es   

auf   

den   

Versammlungen   

des   

Fischer-   

und

Schiffervereins zu ging, war vom Erzbischof auch festgelegt:

6.  

Keiner  

soll  

dem  

andern  

in  

die  

Rede  

fallen,  

unziemliche  

Reden  

sind  

zu  

lassen,  

andernfalls  

eine

Strafe  

bis  

2  

fl  

zu  

erheben  

ist.  

Größere  

Exzesse  

bestraft  

der  

Beamte  

zu  

Klingenberg.  

Die  

Buße  

fällt

der Landesherrschaft zu.

Es  

gibt  

dazu  

auch  

in  

dem  

späteren  

Versammlungsprotokoll  

von  

1738  

einen  

gehorsamen  

Beschluss

der Zunft nachzulesen:

Das   

ist   

einhellig   

beschlossen   

worden,   

dass   

bei   

offener   

Lade   

(d.h.   

während   

des   

Verlaufs   

der

Versammlung) keiner den anderen duzen welle. Auf ein Maß Wein Straf.

Sicher  

ein  

lobenswerter  

Ansatz,  

um  

Respekt  

voreinander  

zu  

pflegen  

und  

exzessive  

unziemliche

Reden    

zu    

unterdrücken.    

Geholfen    

hat    

es    

scheinbar    

aber    

nicht    

so    

recht.    

In    

vielen    

der

Jahrtagsprotokolle  

findet  

man  

Hinweise  

auf  

den  

Stil  

des  

Hauses.  

Die  

raubeinige  

Streitlustigkeit

der  

Fischer  

und  

Schiffer  

war  

tatsächlich  

eine  

dokumentierte  

Gegebenheit,  

die  

sich  

sogar  

als  

erblich

erwies.

Peter Hering von Wörth soll wegen Scheltung Sebastian Weis von da zahlen 30 Kreuzer....

...oder

Mithin  

Peter  

Wetzelsberger,  

Schiffbauer  

zu  

Wörth  

wurde  

wegen  

Er  

Jacob  

Ludwig  

in  

Ahnsehung

der Bestender Schiffbauer Platz Einen Heringsdiebe geheißen, gestrafet worden umb 45 Kreuzer.

...oder

Peter  

Hering  

von  

Wörth  

und  

David  

Lutz  

von  

groß  

Heubach,  

welcher  

Letzter  

den  

Hering  

wegen

einigen  

aus  

der  

Reußen  

genommenen  

Fischen  

sogleich  

einen  

Dieb  

gescholten,  

sind  

miteinander

dahin vereinigt worden, dass Georg David ahn ein Straf bezahlen soll 2 Gulden 26 Kreuzer.

...oder auch in Serie

Sodane  

wurde  

Anton  

Boller  

von  

wegen  

Scheltung  

Mathes  

Eichhorn  

als  

schuldig  

ahngergüget  

...15

Kreuzer

Sodane  

Mathes  

Eichhorn  

von  

wegen  

Scheltung  

Valentin  

Ebert  

30  

Kreuzer  

Item  

Valentin  

Ebert  

...30

Kreuzer

Sondane   

wurde   

Sebastian   

Weiß   

von   

Wörth   

wegen   

vorgegangener   

Unflat   

und   

Scheltung   

...30

Kreuzer

...oder auch mit Tätlichkeiten

In  

Streiten  

und  

Schlagerey  

dahir  

zwischen  

Wolfgang  

Buß  

Johan  

Adam  

Dechent  

von  

Wörth  

dann

Johan  

und  

Conrad  

Ebert  

von  

Clingenberg  

wurde  

erkannt,  

daß  

jeder  

dere  

zur  

Straf  

erlegen  

solle  

20

Kreuzer.  

Mathes  

Eichhorn  

von  

Clingenbeerg,  

so  

sich  

darein  

geschlagen  

und  

Johan  

Ebert  

auch

ahngegrifen ingleich 20 Kreuzer.

...und noch ein etwas komplizierter Fall:

.

..   

als   

Vorberedt   

Berninger   

defendirt   

mit   

worthen   

das   

Er   

nichts   

schuldig   

wäre   

masen   

die

kayserliche Verordnung dergleichen aufhebet...

Es  

wäre  

viel  

hin  

und  

her  

geret  

worden,  

endlich  

wäre  

der  

Zipfrich  

fortgangen  

unter  

dem  

Tor  

zu

Wörth den Ars zeigen...

...   

sie   

berufen   

sich   

auf   

ihre   

Protokoll   

und   

articuln.   

Ich   

scheiße   

aber   

auf   

ihre   

articul,   

das

kayserliche mandat helfe aber nichts...

...  

Georg  

Zipferich  

gesteht  

das  

factum  

ein,  

nur  

wolle  

Er  

erinnert  

haben,  

das  

man  

ihme  

ein  

Mülern

Esel gescholten.

Und  

so  

ist  

es  

lange  

geblieben.  

Man  

kann  

in  

Klingenberg  

heute  

noch  

bestätigen:  

Bis  

in  

die  

Mitte  

des

20.  

Jahrhunderts  

war  

der  

Ton  

im  

Fischer-  

und  

Schifferverein  

noch  

immer  

sehr  

deftig  

und  

laut,  

so

dass  

die  

Klingenberger  

in  

der  

Hauptstráße  

noch  

hören  

konnten,  

wenn  

unten  

im  

„Bären“  

die  

Fischer

ihren Jahrtag hatten.

Noch   

heute   

wird   

die   

erzbischöfliche   

Auflage   

zum   

Kirchgang   

am   

Sonntag   

nach   

Nikolaus

eingehalten,  

auch  

bis  

zum  

Ende  

der  

Messe,  

und  

die  

Standardpredigt  

geht  

immer  

um  

Johannes  

den

Täufer   

und   

die   

eindringliche   

Aufforderung,   

dass   

man   

sich   

bessern   

und   

sich   

ein   

Zeichen   

des

Friedens  

geben  

möge.  

...  

und  

siehe,  

es  

hat  

schon  

ein  

bisschen  

geholfen.  

Nach  

so  

vielen  

Jahren.  

Wenn

er es wüsste, der Erzbischof, er würde huldvoll, gütig und weise schmunzeln.

 Klaus Schmitt

© Fischer- und Schifferverein Klingenberg e.V.
Fischer- und Schifferverein  Klingenberg e. V.
historische Zunft-Truhe aus dem Jahr 1730