Geschichte

Der   

Fischer-   

und   

Schifferverein   

Klingenberg   

am   

Main

gründet sich auf eine alte Zunft.

Ihr    

Ursprung    

ist    

nicht    

dokumentiert,    

aber    

es    

gibt

Hinweise   

aus   

der   

Überlieferung   

auf   

eine   

Existenz   

im

Jahre   

1711   

und   

auch   

die   

Vermutung,   

dass   

die   

Zunft

bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegründet wurde.

Überliefertes Als   Zunft   (von   althochdeutsch   „zu   ziemen“,   also   was   sich   ziemt,   was ordentlich   ist)   bezeichnete   man   eine   berufsständische   Körperschaft   zur Wahrung       gemeinsamer       Interessen       gegenüber       der       Obrigkeit, zunftfremder        Gewerbetreibender        und        zur        Ordnung        der Zunftmitglieder    untereinander.    Zünfte    entstanden    im    Mittelalter    in Städten,    also    in    durch    Mauern    geschützten   Ansiedlungen,    in    denen durch   Handwerk   und   Handel   mit   eigenen   Einkünften   und   beginnender Selbstverwaltung    die    absolute    Macht    des    Adels,    der    Klöster    und Bischöfe      allmählich      geschwächt      wurde.      Dabei      ergänzten      die Zunftordnungen      die      hoheitliche      Gesetzgebung      rund      um      den Berufsstand.   Zu   den   frühesten   Zünften   gehören   die   der   Fischer.   Ihr Handwerk     war,     ähnlich     der     Jagd,     eigentlich     ein     Privileg     des besitzenden   Adels,   doch   anders   als   die   Jagd,   war   Fischfang   mit   Mühe, Arbeit,   Nässe   und   Kälte   verbunden.   Das   ließ   man   vorzugsweise   von ausgewählten   Leuten   aus   dem   Volk   erledigen,   gut   geregelt   allerdings durch     eine     Zunftordnung.     Darin     wurden     Regeln     zur     Hege     des Fischbestandes    und    zur    Abwehr    von    Raubfischerei    aufgestellt.    Sie bestimmten   auch   Schonzeiten,   Mindestmaße,   Maschenweiten,   erlaubte und   verbotene   Fanggeräte.   Auch   Regeln   für   den   Umgang   der   Fischer untereinander,   von   der   Ausbildung   bis   zur   Witwenversorgung   wurden festgelegt. Es      sind      zahlreiche      Fischerzünfte      am      Main      bekannt,      deren Zunfturkunden    aus    den    Jahren    1010    (Würzburg)    bis    1635    (Lohr) stammen,     auch     aus     kleineren     und     unbedeutenderen     Städten     als Klingenberg,   das   1276   erstmals   als   „Bürgerstadt“   dokumentiert   ist.   Die Clingenburg,    wohl    vor    1190    errichtet,    breitete    ihre    Flügelmauern schützend   um   die   ersten   Bürgerhäuser,   machte   sie   zu   einer   Stadt,   in   der sich    Zünfte    etablieren    konnten.    Klingenberg    wurde    1505    durch    das Kurfürstentum   Mainz   erworben   und   erhielt   einen   Amtssitz   im   Range eines   Vogtes,   hier   Keller   genannt.   In   dieser   Zeit   sind   in   Klingenberg   8 oder     10     Zünfte     bekannt.     Es     ist     anzunehmen,     dass     auch     eine Fischerzunft   bestanden   hat,   wie   in   anderen   Städten   am   Main.   Diese müsste    vor    1525    gegründet    gewesen    sein,    denn    später    waren    die Voraussetzungen   dafür   nicht   besonders   vorteilhaft.   1525   machte   sich die   Stadt   „der   beurischen   uffrur   anhengig   und   theylhafftig"   ,   wofür   sie beim    Zusammenbruch    des    Aufstandes    mit    dem    Entzug    „aller    irer privilegien,    begnadigung,    freyheit,    auch    ampt,    gerichts    und    rats", bestraft   wurde.   Kardinal Albrecht   von   Brandenburg   gab   der   Stadt   zwar ihr   Amt   und   Gericht   wieder   zurück,   wandelte   aber   Klingenberg   in   eine obrigkeitlich   regierte   Stadt   um.   Mit   der   großen   Stadtordnung   Kardinal Albrechts   vom   13.   Juni   1527   wurde   die   innere   Verfassung   der   Stadt festgelegt.     Ihre     wichtigsten     Bestimmungen     waren:     Gerichtsherr, „rechter   natürlicher   ober   und   herr"   war   der   Erzbischof   zu   Mainz,   dem „alle   oberikheit,   herlichkeit,   gebott   und   verbott   ...   daselbst   zusteen"   und der   „hohe   und   nidere   ampt,   gericht   und   rathe   ...   yeder   Zeit   besetzt   und entsetzt.“ Gegen   Ende   des   16.   Jahrhunderts   ereignete   sich   das,   was   wir   heute allgemein   als   die   "   kleine   Eiszeit   "   bezeichnen,   ein   nicht   unerheblicher Klimawandel,   der   eisige   Winter   und   feuchte   Sommer   zur   Folge   hatte. Die    daraus    resultierenden    Missernten    wirkten    sich    brutal    auf    die Bevölkerung   aus.   Geringe   Ernteerträge   führten   in   ganz   Europa   zu   lang anhaltenden    Hungersnöten    und    schließlich    zu    einer    Verarmung    der Zivilbevölkerung.       Dazu       kam       die       Drangsal       von       Kriegen, Brandschatzung,      Plünderung      und      die      Pest.      1631      marschierten schwedische    Truppen    in    Mainz    ein    und    machten    es    bis    1634    zum Bestandteil    des    schwedischen    Staates.    Einquartierungen    und    hohe Kriegslasten bedrängten die Bürger in vielen Städten. Klingenberg   wurde   1646   von   den   Schweden   gänzlich   ausgeplündert, sie    trugen    Mobilien,    Lebensmittel    und    Wein    davon.    Ein    Jahr    später holten   die   Franzosen   was   noch   übrig   geblieben   war   und   dann   kamen die   Kaiserlichen   und   wollten   sogleich,   was   gerade   wieder   erwirtschaftet worden war. Kein   Wunder   dass   das   Wirtschaftsleben   in   Stadt   und   Land   am   Boden lag,   dass   die   Menschen   keine   Lust   mehr   hatten,   Aufträge   anzunehmen, Erträge   zu   erwirtschaften.   Es   liegen   die   Felder   unbestellt,   öd   und   wüst. Für    Wörth    und    die    Fischweide    zu    Klingenberg,    Bannwasser    und Fischweide zu Erlenbach finden sich keine Interessenten mehr. Dazu   kam   die   Geißel   der   Pest.   Sie   forderte   hier   vor   allem   1630   bis   1635 ihre   Opfer.   In   der   Sterbematrikel   von   1635   ist   in   Klingenberg   vermerkt, dass   die   Hälfte   der   Einwohner   an   der   Pest   zugrunde   gegangen   ist,   und dass die Namen der Toten nicht aufgeschrieben worden sind. In   all   diesen   sorgenvollen   Jahren   des   16.   und   17.   Jahrhunderts   kamen auch   die   Dokumentationen   im   bürgerlichen   Bereich   weitgehend   zum Erliegen.      Erst      nach      dem      30-jährigen      Krieg      etablieren      sich Administration   und   Verwaltung   langsam   wieder   wie   es   war   und   wie   es sich   gehörte.   Damit   konsolidierte   sich   das   Gewerbe   und   auch   Zünfte wurden reaktiviert. Mit   dem   Recht   von   1527   übertrug   das   Mainzer   Domkapitel   1693   das Lehen    zu    Klingenberg    an    den    kurfürstlichen    Geheimen    Rat    und Kanzler Augustin   Maximilian   von   Mairhofen.   Nach   dessen   Tod   erfolgte 1706    die    Belehnung    seines    ältesten    Sohnes    Franz    Wilhelm    mit    den Mainzer Lehen. Franz   Wilhelm   von   Mairhofen   war   von   1701   bis   1735   Mainzer   Hofrat und   mainzischer   Amtmann   zu   Klingenberg.   In   dieser   Stellung   war   er bei   vielerlei   Konflikten   und   Streitigkeiten   tätig:   Jagdstreitigkeiten   mit den    benachbarten    Adeligen;    Konflikte    mit    Köhlern,    die    das    Wild vertrieben;      Auseinandersetzungen      mit      Waldarbeitern,      die      beim Holztriften    in    den    Spessartbächen    die    Fische    vertrieben    usw.    Es    ist anzunehmen,   dass   in   dieser   Zeit   die   Fischer-   und   Schifferzunft   eine neue   Ordnung   erhielt,   was   die   überlieferte,   aber   nicht   dokumentierte Gründung von 1711 erklärte. Die   auf   das   Amt   Klingenberg   beschränkte   Ordnung   im   Gewerbe   war allerdings     nicht     von     befriedigender     Wirkung.     Es     gab     damals     in Klingenberg   viele   Einwohner,   die   von   der   Schifffahrt   lebten,   also   Schiffe besaßen   oder   als   Schiffer   auf   diesen   arbeiteten.   Transportiert   wurden hauptsächlich     Holz,     Steine,     Sand,     Kohle,     Getreide,     Zucker     und Stückgut.    Die    ortsansässigen    Fischer    verdienten    ihr    Geld    mit    dem Verkauf   ihrer   Fische   auf   dem   Frankfurter   Fischmarkt.   So   musste   sich dieses      „ungebunden      auf      dem      Main      schwimmende      Gewerbe“ zwangsläufig    mit    leicht    übergreifenden    Konkurrenten    aus    anderen Gemeinden auseinander setzen. Es    gab    massiv    Anlass    zu    Beschwerden,    die    von    den    Schiffern    und Fischern   unterthänigst   in   Mainz   zu   erkennen   gegeben   wurden.   Dies führte   dann   1737   zu   einem   Machtwort   des   Erzbischofs,   der   eine   neue Ordnung durch eine Verleihungsurkunde herstellte. Wir   Philipp   Carl   von   Gottes   Gnaden,   des   Heiligen   Stuhles   zu-Maintz Erzbischof      des      Heiligen      Römischen      Reiches      durch      Germanien Ertzkanzler    und    Churfürst    etz.    Urkunden    und    Bekennen    hiermit, .....Erstlich     wollen     wir,     daß     alle     und     jieder     in     unserem     Ambt Klingenberg   wohnhafter   Fischer   und   Schiffer,   wann   er   von   Eltern   her ehelich    geboren,    oder    behörig    legitimiert    worden    und    sich    bishero wohlverhalten,     in     dieser     neue     Zunft     sich     einverleiben     zu     lassen schuldig,    wiedrigenfalls    ihnen    sie    seyen    einheimisch    oder    fremdes einige    Ladung    zu    nehmen,    bei    empfindlicher    Straf    und    Verlust    des Garns   und   Schelchs   erlaubt   sein   sollte...(vollständiger   Text   siehe   rechts im Bild). Es   existierte   damals   also   bereits   eine   Fischer-   und   Schiffer-Zunft,   die nun mit einer neuen, strengen Ordnung ausgestattet wurde. Diese    neue    Ordnung    regelte    neben    dem    internen    berufsständischen und   sozialen   Zusammenleben   der   Zunftmitglieder   auch   die   Aufsicht durch   den   Klingenberger Amtmann,   sowie   die   sachlichen   Bedingungen zum     Recht     auf     Fischfang     und     Schifffahrt     und     die     Strafen     bei frevelhaftem Missbrauch. Eine     besondere     Bedeutung     kommt     der     Verleihung     dieser     neuen Zunftordnung   von   1737   zu,   denn   mit   ihr   hat   Kurfürst   Philipp   Carl   zu Mainz     den     Fischern     und     Schiffern     im     Amte     Klingenberg     ihre Fischrechte bestätigt. Mit   der   Proklamation   des   Königreichs   Bayern   im   Jahre   1806   war   die Landesherrschaft   des   Mainzer   Erzbischofs   beendet.   Es   war   dies   eine Folge   der   napoleonischen   Eroberungskriege   mit   der   Durchsetzung   der Errungenschaften    der    Französischen    Revolution.    Zu    diesen    gehörte auch   u.   a.   die   Proklamation   der   Gewerbefreiheit.   So   drängten   im   Laufe des    19.    Jh.    die    Behörden    in    den    deutschen    Staaten    sukzessive    zur Zulassung   anderer   Gewerbetreibender   aber   auch   als   Freimeister   (nicht der   Zünfte   angeschlossene   Meister)   und   nötigten   die   Zünfte   sich   auf   die Regelungen     ihrer     inneren     Organisation     zu     beschränken.     Bayern verfügte 1868 die Aufhebung des Zunftwesens. Den   neuen   Ideen   zur   Gewerbefreiheit   angepasst,   hat   sich   die   Zunft   der Fischer    und    Schiffer    des   Amtes    Klingenberg    ab    dem    Jahre    1829    als Fischer-   und   Schifferverein   organisiert,   hat   dabei   die   Regularien   und die    Fischrechte    der    alten    Zunft    weiter    gewahrt,    die    Steuern    und Gebühren     regelmäßig     bezahlt,     die     Fischerei     ständig     und     ohne Unterbrechung   ausgeübt   und   ist   somit   im   Besitze   ihres   Fischrechtes geblieben. Nachdem   die   Zunftordnung   vom   Jahre   1737   veraltet   war,   wurden   1907 zeitgemäße   Statuten   aufgestellt,   um   den   ursprünglichen   Auftrag   der Staatsautorität   weiter   zu   erfüllen.   Damit   der   Verein   nach   einem   neuen Vereinsrecht     rechtsfähig     wurde     und     ins     Vereinsregister     eintragen werden     konnte,     war     im     Jahre     1929     eine     Revision     der     Statuten notwendig geworden. Die    Bewahrung    der    Fischrechte    wurde    mit    einer    endgerichtlichen Entscheidung   des   Oberlandesgerichts   Bamberg   vom   29.   Oktober   1931 in      Würdigung      des      vorgelegten      Urkundenmaterials      und      zur Vermeidung   von   Wiederholungen   bestätigt,   und   es   wurde   entschieden, dass   die   bis   dahin   ausgeübten   Fischereirechte   laut   den   Anordnungen der   Zunftordnung   durch   den   Erzbischof   Philipp   Karl   von   Mainz   vom   9. August   1737   den   Zunftgenossen   in   rechtswirksamer   Weise   verbleiben. Das   Recht   erstreckt   sich   auf   den   ganzen   damaligen   Amtsgerichtsbezirk Klingenberg.   Nach   der   Feststellung   des   Finanzamts   Amorbach   in   einer Entscheidung    vom    27.    Juli    1954    stehen    dem    rechtsmittelführenden Fischer-    und    Schifferverein    Klingenberg    Fischrechte    über    273,151    ha Wasserfläche zu. Seit    der    Verfassung    der    Satzung    von    1907    und    ihrer    Revision    1929 hatten     sich     in     über     80     Jahren     gravierende     Änderungen     in     der Gewerbesituation     der     Fischer     und     Schiffer,     in     der     allgemeinen Sozialgesetzgebung   und   im   Vereinsrecht   eingestellt.   So   ist   es   dann   2002 notwendig    geworden,    mit    einer    2.    Revision    eine    moderne    wie    auch zukunftsorientierte   Satzung   zu   beschließen.   Gewahrt   wurde   dabei   das ursprüngliche,   elementare   Anliegen   an   eine   Fischerzunft   wie   es   sich ausdrückt im §2: §2    Zweck    des    Vereins    ist    die    Förderung    gemeinsamer    gewerblicher Interessen   in   der   Fischerei   bzw.   der   Schifffahrt,   der   fachlichen   Eignung der   Mitglieder   zur   Hege   des   Fischbestandes   und   zur   Beachtung   des damit   verbundenen   Naturschutzes,   sowie   der   Wahrung   des   von   den Vorfahren ererbten Fischrechtes und Vereinsvermögens.
© Fischer- und Schifferverein Klingenberg e.V.
Urkunde größer: klick hier Text der Urkunde: klick hier
Fischer- und Schifferverein  Klingenberg e. V.
historische Zunft-Truhe von 1730       
Zunft- Fahne Vorderseite: “Fischer- und Schifferverein Klingenberg”       
Zunft- Fahne Rückseite: “Bei Sturm und Wetter ist Gott unser Retter”     
lesen Sie dazu Bischofsweisheit(von Klaus Schmitt)
Brückeneinweihung, 29. Juni 1949
Hochwasser in Klingenberg 1920
Text der Verleihungsurkunde: hier
Verleihungsurkunde
1737   Bestätigung   der   Zunft   und   Machtwort des   Erzbischofs      Philipp      Carl      von      Gottes     Gnaden,   der   eine   neue   Ordnung   durch   eine Verleihungsurkunde herstellte.
Mitglieder mit Zunft- Fahne
1911 Netzetrocknen in Klingenberg